Lektion 8 von In 30 Tagen zu besseren Finanzen
Tag 8 -Warum ein Notgroschen Pflicht ist – Leitfaden für deinen persönlichen Sicherheitsbetrag
Eine unerwartete Rechnung – und der Dispo glüht. Muss nicht sein.
Einleitung
Woche 1 war über Ordnung. Diese Woche geht es um Sicherheit.
Und die Basis von Sicherheit ist ein Notgroschen.
Ein Notgroschen ist Geld, das du für Notfälle zur Seite legst. Nicht zum Ausgeben, nicht zum Investieren – nur für Notfälle.
Das klingt einfach. Aber viele Menschen haben keinen Notgroschen. Und wenn dann ein Notfall kommt, müssen sie einen Kredit aufnehmen oder den Dispo nutzen.
Heute lernst du, warum ein Notgroschen Pflicht ist – und wie du deinen aufbaust.
Das Problem: Keine Rücklagen = Dispo-Falle
Stell dir vor: Dein Auto geht kaputt. Die Reparatur kostet 1.500 Euro. Du hast keinen Notgroschen. Was machst du?
Szenario 1: Du nutzt den Dispo
Du leihst dir 1.500 Euro vom Dispo
Dispozinsen: 10-12% pro Jahr
Nach 1 Jahr zahlst du 150-180 Euro Zinsen
Nach 2 Jahren: 300-360 Euro Zinsen
Das Auto ist längst repariert, aber du zahlst immer noch Zinsen
Szenario 2: Du nimmst einen Kredit auf
Du leihst dir 1.500 Euro
Kreditzinsen: 5-8% pro Jahr
Nach 1 Jahr zahlst du 75-120 Euro Zinsen
Aber du hast einen Kredit, den du abbezahlen musst
Szenario 3: Du hast einen Notgroschen
Du hast 1.500 Euro zur Seite gelegt
Du zahlst die Reparatur aus dem Notgroschen
Keine Zinsen, keine Schulden
Du baust den Notgroschen wieder auf
Das ist der Unterschied.
Was ist ein Notgroschen?
Ein Notgroschen ist Geld, das du für unerwartete Ausgaben zur Seite legst.
Beispiele für Notfälle:
Auto-Reparatur
Zahnarzt
Waschmaschine kaputt
Arbeitslosigkeit
Krankheit
Unerwartete Rechnung
Wichtig: Ein Notgroschen ist NICHT für:
Urlaub
Neue Möbel
Spontankäufe
Investitionen
Ein Notgroschen ist nur für echte Notfälle.
Wie viel Notgroschen brauchst du?
Das ist die wichtigste Frage. Und die Antwort ist: Es kommt auf deine Situation an.
Die Faustregel: 3-6 Monatsausgaben
Die meisten Finanzberater empfehlen: 3-6 Monatsausgaben als Notgroschen.
Beispiel:
Deine monatlichen Ausgaben: 2.000 Euro
3 Monate: 6.000 Euro
6 Monate: 12.000 Euro
Dein Notgroschen sollte zwischen 6.000 und 12.000 Euro liegen
Warum 3-6 Monate?
3 Monate: Minimum. Reicht für kleinere Notfälle (Auto-Reparatur, Zahnarzt)
6 Monate: Besser. Reicht auch für größere Notfälle (Arbeitslosigkeit, längere Krankheit)
Aber: Es kommt auf deine Situation an
Wenn du angestellt bist:
3 Monate reichen oft
Du hast ein stabiles Einkommen
Arbeitslosigkeit ist weniger wahrscheinlich
Wenn du selbstständig bist:
6 Monate sind besser
Dein Einkommen ist weniger stabil
Ein Notgroschen ist wichtiger
Wenn du Familie hast:
6 Monate sind besser
Mehr Menschen, mehr Ausgaben
Mehr Risiken
Wenn du Schulden hast:
Fang mit 1-2 Monaten an
Baue den Notgroschen parallel zum Schuldenabbau auf
Später erhöhen
Wie viel Notgroschen brauchst DU?
Berechne deinen persönlichen Sicherheitsbetrag:
Schritt 1: Deine monatlichen Ausgaben
Aus Tag 2 weißt du deine durchschnittlichen monatlichen Ausgaben.
Beispiel: 2.000 Euro/Monat
Schritt 2: Wähle deine Spanne
Konservativ: 3 Monate
Mittel: 4-5 Monate
Sicher: 6 Monate
Schritt 3: Berechne deinen Notgroschen
3 Monate: 2.000 × 3 = 6.000 Euro
4 Monate: 2.000 × 4 = 8.000 Euro
5 Monate: 2.000 × 5 = 10.000 Euro
6 Monate: 2.000 × 6 = 12.000 Euro
Dein persönlicher Sicherheitsbetrag: _________ Euro
Warum ist ein Notgroschen so wichtig?
1. Du vermeidest Schulden
Ohne Notgroschen musst du bei Notfällen einen Kredit aufnehmen oder den Dispo nutzen. Mit Notgroschen nicht.
2. Du hast weniger Stress
Wenn du weißt, dass du einen Notgroschen hast, schläfst du besser. Du weißt, dass du für Notfälle vorbereitet bist.
3. Du kannst bessere Entscheidungen treffen
Mit Notgroschen kannst du in Notfällen rational entscheiden – nicht emotional. Beispiel: Wenn dein Auto kaputt geht, kannst du es reparieren lassen, statt es zu verkaufen.
4. Du bist unabhängig
Mit Notgroschen bist du unabhängig von Banken, Kreditgebern, Familie. Du kannst dich selbst helfen.
5. Du kannst Chancen nutzen
Mit Notgroschen kannst du Chancen nutzen. Beispiel: Wenn du deinen Job verlierst, kannst du 6 Monate lang nach einem besseren Job suchen – statt sofort einen schlechteren Job anzunehmen.
Die Statistik: Wie viele Menschen haben einen Notgroschen?
Nur 30% der Deutschen haben einen Notgroschen
70% haben keinen oder einen zu kleinen Notgroschen
Im Notfall müssen diese 70% einen Kredit aufnehmen oder den Dispo nutzen
Das bedeutet: Wenn du einen Notgroschen aufbaust, bist du besser dran als 70% der Bevölkerung.
Häufige Fehler beim Notgroschen
Fehler 1: Zu klein
Manche Menschen sparen nur 1.000 Euro als Notgroschen. Das ist zu wenig.
Lösung: Ziel: 3-6 Monatsausgaben. Fang mit 1-2 Monaten an, erhöhe später.
Fehler 2: Zu lange dauert
Manche Menschen denken: „Ich kann nie 12.000 Euro sparen. Das dauert zu lange."
Lösung: Fang an. Mit 200 Euro/Monat hast du nach 5 Jahren 12.000 Euro. Das ist nicht lang.
Fehler 3: Notgroschen für Urlaub nutzen
Manche Menschen nutzen den Notgroschen für Urlaub oder Shopping.
Lösung: Notgroschen ist nur für Notfälle. Für Urlaub nutze dein Spaß-Budget (30%).
Fehler 4: Notgroschen nicht aufbauen
Manche Menschen wissen, dass sie einen Notgroschen brauchen – bauen ihn aber nicht auf.
Lösung: Fang heute an. Mit dem 3-Konten-Modell ist es automatisch.
Fehler 5: Notgroschen zu schnell aufbrauchen
Manche Menschen bauen einen Notgroschen auf – und geben ihn dann aus.
Lösung: Nutze das Tagesgeldkonto. Dort ist das Geld nicht so leicht zugänglich.
Dein Notgroschen-Plan
Phase 1: Basis-Notgroschen (1-2 Monate)
Ziel: 2.000-4.000 Euro (je nach Ausgaben)
Dauer: 3-6 Monate
Sparrate: 300-500 Euro/Monat
Warum: Das reicht für kleinere Notfälle. Danach kannst du weitermachen.
Phase 2: Solider Notgroschen (3-4 Monate)
Ziel: 6.000-8.000 Euro
Dauer: 12-18 Monate (insgesamt)
Sparrate: 300-500 Euro/Monat
Warum: Das reicht für größere Notfälle. Du bist gut abgesichert.
Phase 3: Sicherer Notgroschen (5-6 Monate)
Ziel: 10.000-12.000 Euro
Dauer: 24-36 Monate (insgesamt)
Sparrate: 300-500 Euro/Monat
Warum: Das ist die maximale Sicherheit. Du bist sehr gut abgesichert.
Wie du deinen Notgroschen aufbaust
Mit dem 3-Konten-Modell (aus Woche 1)
Du hast das 3-Konten-Modell geplant:
Girokonto: Laufende Ausgaben
Tagesgeldkonto: Notgroschen & Rücklagen
Spaß-Konto: Freizeit
Dein Notgroschen wächst automatisch auf dem Tagesgeldkonto.
Beispiel:
Du sparst 300 Euro/Monat
Nach 6 Monaten: 1.800 Euro
Nach 12 Monaten: 3.600 Euro
Nach 24 Monaten: 7.200 Euro
Mit der 50/30/20-Regel (aus Woche 1)
Die 20% für Sparen & Investieren gehen auf das Tagesgeldkonto.
Beispiel mit 2.500 Euro Einkommen:
20% = 500 Euro/Monat
Nach 12 Monaten: 6.000 Euro Notgroschen
Nach 24 Monaten: 12.000 Euro Notgroschen
Zusammenfassung
Ein Notgroschen ist Pflicht, nicht optional.
Warum:
Du vermeidest Schulden
Du hast weniger Stress
Du kannst bessere Entscheidungen treffen
Du bist unabhängig
Du kannst Chancen nutzen
Wie viel:
3-6 Monatsausgaben
Berechne deinen persönlichen Sicherheitsbetrag
Wie du es aufbaust:
Mit dem 3-Konten-Modell (automatisch)
Mit der 50/30/20-Regel (20% = Notgroschen)
Fang heute an
Das ist nicht kompliziert. Das ist nur konsequent.
Disclaimer
Diese Serie bietet allgemeine Finanzbildung und ist keine individuelle Finanzberatung. Jede finanzielle Situation ist unterschiedlich. Für persönliche Empfehlungen konsultiere einen Finanzberater. Bergmann Finanzpartner bietet solche Beratungen an – gerne helfen wir dir weiter.
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Morgen: Tag 9 – Wo der Notgroschen liegen sollte
Der größte Fehler beim Notgroschen: falsches Konto.